Sportwissen aktuell: Core Training

 

 

 

Warum sollten Läufer ein Core Training durchführen?

Teil I

Betrachtet man die Probleme, die bei Läufern auftreten können, ist es naheliegend, ein Ausgleichstraining durchzuführen. Diese Erkenntnis ist nicht neu und es wurden in der Vergangenheit viele Empfehlungen hierzu veröffentlicht. So gelten Rückenschmerzen, bspw. LWS-Beschwerden (vgl. Mayer et al., 2001; Baur et al. 2002) als ein weit verbreitetes Phänomen bei Läufern, aber auch weitere Belastungen, die auf das Laufen zurück geführt werden können, sind bekannt. „Die Zunahme an Laufsportlern hat in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg von typischen, belastungsabhängigen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats geführt. Derzeit wird eine Verletzungsrate bei Läufern von circa 30 Prozent angenommen. Art und äußere Umstände während der Belastung führen zu laufspezifischen Verletzungen“ (Mayer et al. 2001). Eine Studie von Sato und Mokha (2009) kam zum Ergebnis, dass eine mangelnde Rumpfstabilität zu schlechteren Leistungen bei Läufern führt. Leistungseinbußen bei 5.000m Läufern wurden mit höherem Energieverbrauch der rumpfstabilisierenden Muskulatur erklärt. Durch ein 6-wöchiges Core Training konnten bei dieser Zielgruppe Leistungsverbesserungen gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden.

In der Prävention der Belastungsbeschwerden hat sich, neben einer Optimierung von Schuhen und Einlagen, ein funktionelles, propriozeptives Training bewährt. Heutzutage wird im Zusammenhang mit dem propriozeptiven Training meist auch das Core Training genannt. Zwischen beiden Methoden gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten, etwa das Training der Körperwahrnehmung, Körperhaltung, Gelenkstabilität, Verletzungsprophylaxe, Kräftigung und Gleichgewichtsschulung, also die Stärkung der Körpermitte unter Berücksichtigung der tiefer liegenden Muskeln (Core) sowie die Stabilisierung der Gelenke (vgl. Hammes, Rühl, Laubach & Sutor, 2011). Die seit der Fußball WM 2006 in Deutschland diskutierte Methode des Core Performance von Marc Verstegen geht noch ein Stück weiter und verspricht auf typisch amerikanische Art und Weise eine Steigerung der Lebensqualität, der Lebensdauer und eine Maximierung des Erfolgs. Das Konzept Core Performance, der Vollständigkeit halber, ist in die sogenannten Super Sieben unterteilt: (1) Movement Preps (aktives warm-up), (2) Prehabs (Verletzungsprophylaxe), (3) Physioball-Training (Hüft-, Core- und Schulterkräftigung), (4) Elastizität, (5) Krafttraining, (6) Entwicklung des Energiesystems (Cardio Training) und (7) Regeneration (vgl. Verstegen, 2009).

[Teil II: Übungen]

 

Literatur

Baur et al. (2002). Zur Wirkung von Einlagen und Physiotherapie. Orthopädieschuhtechnik, 10, 50-53.

Hammes, A., Rühl, J., Laubach, V. & Sutor, V. (2011). Core und Stability. Grundlagenbuch sensomotorisches Training. Frankfurt: Deutscher Turner-Bund.

Lindner, J. (2011). Sieben notwendige Übungen für Läufer ( und solche, die es werden wollen). Zugriff am 19. Mai 2011 unter http://www.aktiv-training.de/download/2011/03_02.02.2011/Uebungen_Laeufer.pdf

Mayer et al. (2001). Verletzungen und Beschwerden im Laufsport. Dt. Ärzteblatt, 98 (19), 1254-1259.
Sato K, Mokha M. (2009). Does core strength training influence running kinetics, lower-extremity stability, and 5000-m performance in runners? J Strength Cond Res, 23, (1), 133-140.

Verstegen, M. (2009). Core Perfomance. München: Riva.