Sportwissen aktuell: Minitramp - Springen mit dem Minitramp

 

 

Das Minitrampolin oder Minitramp gehört zu den beliebtesten Turngeräten. Der hohe Aufforderungscharakter birgt jedoch viele Gefahren. Diese zu kennen und ihnen entgegen zu wirken ist die Aufgabe des Leiters / der Leiterin einer Gruppe.

Gefahren
Beim Minitramp springen bestehen Gefahren v.a. an den untere Extremitäten und an der Wirbelsäule, teilweise auch am Hinterkopf. Durch einen korrekten Aufbau und eine sichere Bewegungsausführung zusammen mit einer gezielten Hilfestellung lassen sich jedoch diese Gefahren minimieren.

Bewegungsausführung
Richtige bzw. sichere Bewegungsausführung bedeutet, dass eine ständige Kontrolle und muskuläre Sicherung des gesamten Haltungs- und Bewegungsapparates während des Einspringens in das Minitramp, der Flugphase und der Landung erfolgen.
Beim Einspringen müssen die Turner/innen darauf achten, dass sie mit beiden Füßen gleichzeitig auf das Tuch kommen, um die Gefahr des seitlichen Umknickens zu reduzieren. Ein falsche Körperhaltung (Hohlkreuz) kann dagegen sowohl beim Einspringen als auch bei der Landung zu Stauchungen der Wirbelsäule führen.
Die Landung ist dahingehend zu sichern, dass die Turner/innen auch nicht rückwärts fallen und sich am Minitramp selber den Kopf anschlagen.
In der Luft stellen v.a. Rotation eine nicht unerhebliche Gefahr dar. So kann bspw. eine Rotation um die KLA dazu führen, dass bei der Landung die Füße nicht gerade aufsetzen und Drehbewegungen entweder Fuß- oder Kniegelenk verletzen, eine Drehung um die KBA dagegen erschwert die Orientierung, so dass die Gefahr Verletzung der WBS (Stauchung HWS) besteht. Hier ist es unabläßlich, dass genügend Vorerfahrung mit Rotationen um die KBA vorhanden sind und die Hilfestellung genau weiß, was sie in welchem Fall tun muss.

Die richtigen Matten
Normale Landematten genügen beim Minitramp nicht, denn: wer hoch fliegt, muss weich landen. Daher sollte zur Landung eine Weichbodenmatte verwendet werden, die jedoch so hart sein sollte, dass man bei der Landung nicht „durchschlägt“. Idealerweise wird über die Weichbodenmatte ein Bodenläufer gelegt (ggf. ein alter, durchgetretener), so dass die Landung stabiler wird und ein evtl. Spalt bei Verwendung einer zweiten Weichbodenmatte abgedeckt wird.
Am Ende der Landefläche sollte eine blaue Turnmatte gelegt werden, damit die Weichbodenmatte nicht wegrutscht. Eine Übersicht über die genannten Tutrnmatten findet ihr unter http://www.fairplay-sporthandel.de/turngeraete/turnmatten.htm

Das Minitrampolin
Die Neigung des Minitramps ist veränderbar. Das Minitramp sollte gerade im Anfängerbereich zunächst waagrecht gestellt sein, wenn mit Standsprüngen begonnen wird. Wird ohne Anlauf aus dem Tuch nach mehrmaligem Wippen abgesprungen, empfiehlt sich das Neigen des Tramps zur Landematte hin.
Bei Sprüngen aus dem Anlauf wird das Minitramp dagegen in Richtung Anlauf geneigt, die Neigung richtet sich nach Anlaufgeschwindigkeit und Vorerfahrung der TN. Je schneller der Anlauf undje erfahrener die TN, desto steiler der Neigungswinkel.

Die Landung
Wie hoch springe ich ohne Trampolin, bzw. von welcher Höhe muss ich normalerweise höchstens landen? Mit dem Minitrampolin, aber auch mit dem Airtrack, werde ich diese Höhe schnell überschreiten, so das ich auf die Landung nach höheren Flügen vorbereitet sein muss. Über ein vorgeschaltetes Krafttraining in den Wochen zuvor, kann der muskuläre Anteil vorbereitet werden. So eignen sich Niedersprünge von verschiedenen hohen Kästen mit sicherer Landung auf beiden Beinen (bspw. auf Niedersprungmatte oder blaue Turnmatte).
Auch die Landung auf der Weichbodenmatte sollte vorbereitet werden, so etwa durch Niedersprünge auf die oben beschriebene Landefläche. Hierzu können verschiedene Geräte wie Barren, Pferd, Reck oder Sprungkasten verwendet werden (Abwechslung).
Zuletzt sollte das Gleichgewicht bei der Landung geschult werden. Zielspringen auf Landemarken auf der Weichbodenmatte aus unterschiedlichen Höhen sind nur ein Beispiel dafür.


Tiefflieger und Kursabweicher
Minitrampolinspringen sieht leichter aus, als es ist. Ob nun das Gleichgewicht im Flug oder bei der Landung, die Orientierung in der Luft oder die Höhe nach dem Absprung – „verfliegen“ kann immer vorkommen.
Daher sollte zunächst unter erleichterten Bedingungen mit dem Minitramp geübt werden:
dem/der Springerin die Hand geben;
das Trampolin zwischen Taue stellen, so dass man sich daran festhalten kann (Tarzan);
mit niedrigem Anlauftempo beginnen (bzw. Standsprünge und federn vorab);
zunächst aus gleicher Höhe abspringen (Kastenoberteile als Anlaufbahn);
Fänger auf der Landematte bereitstellen (die am Bauch [Hüfte] und Rücken zufassen);
Die Landefläche nicht zu tief wählen (zu Beginn zwei WBM aufeinander oder einen Unterbau konstruieren, vgl. Sprung: Mattenberg);

Sprünge zu Beginn – welche sollten gut vorbereitet sein?
Wenn Kinder ein Minitrampolin sehen, so lautet deren erste Frage immer: Springen wir einen Salto?
Doch bereits das Springen einer Flugrolle erfordert beim Minitrampolin ein besonderes Augenmerk des Leiters / der Leiterin. Eine Flugrolle sollte, solange man sie nicht sicher am Boden beherrscht, mit dem Trampolin nicht gesprungen werden. Erst wenn genügend Stützkraft vorhanden und das Abrollen beherrscht wird, kann am Minitrampolin begonnen werden, auf eine erhöhte Landefläche eine Flugrolle zu turnen. Es darf dabei zu Beginn des Abrollens nicht die Hüfte gebeugt werden oder die Beine zu schnell angehockt werden (sonst freut sich der Zahnarzt).
Bevor nun auch noch der Salto angegangen wird, müssen die Kinder (Teilnehmer/innen) die Standsprünge beherrschen, Rollen und Umschwünge an anderen Geräten geübt haben und eine entsprechende Orientierung bei Drehungen um die KBA besitzen. Das Einziehen des Kopfes ist für das Springen des Saltos elementar – v.a. bei missglückten Versuchen, um die Gefahr eines Genickbruches zu reduzieren.
Die Helfer müssen beim Springen des Saltos mit dem Minitramp sehr sicher sein, ansonsten sollte auf einen Mattenberg gesprungen werden, um Überdrehungen zu vermeiden. Die Landung im Sitz auf dem Mattenberg ist einer Standlandung zunächst vorzuziehen. Nur mit geübten Helfern ist ein Landung in den Stand bei normaler Landehöhe möglich – alles andere ist grob fahrlässig!

Literatur
Frenger, Hardi & Peper, Dieter (1977): Minitrampolin. Voraussetzungen und methodische Wege. In: Bundesarbeitsgemeinschaft der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand (BAGUV): Curriculum Unfallverhütung und Sicherheitserziehung. Offenbach.
Richter, Hedi (1999): Springen mit dem Minitramp – aber bitte nicht aus der kalten Hose. Magazin für Übungsleiterinnen und Übungsleiter. Aachen: Meyer&Meyer.
Lange, S. & Bischoff, K. (2009). Doppelstunde Turnen. Schorndorf: Hofmann.
Lange, S. (2015). Turnen in der Primarstufe. Schorndorf: Hofmann.

thalia.de