Sportwissen aktuell: Balance-Training, Sensomotorik und Propriozeption

 

 

 

Propriozeption, Sensomotorik, Balance-Training

Bei der Propriozeption handelt es sich um einen Teilaspekt der Koordination, die auch als Tiefensensibilität bezeichnet wird und innerhalb des Functional Trainings / Fitnesstrainings eine wichtige Rolle spielt. Beim Studium der aktuellen Literatur finden sich Hinweise, dass v.a. die Gleichgewichtsfähigkeit, die Anpassungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit wie auch die Differenzierungsfähigkeit in diesem Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung besitzen.

Propriozeptives Training, auch mit dem Flexi-Bar, zielt diesen Theorien folgend auf die Verbesserung der Tiefensensibilität ab, wobei die Wahrnehmung im Vordergrund steht. Sie zielt jedoch auch auf die reflektorische Muskelaktivität (bei passivem und aktivem Bewegen) sowie die Wiederherstellung und Stabilisierung von Gelenkstellungen.

Über Rezeptoren (Signalaufnehmer) werden die zahlreichen Informationen, die sekündlich auf uns niederprasseln, aufgenommen. Über die Nervenfasern werden diese Informationen zum ZNS (Zentrales Nervensystem) weitergeleitet und verarbeitet. Als Rezeptoren kennen wir derzeit 3 große Gruppen:

 

  1. Die Exterozeptoren
    die wie Fühler eines Insektes die Reize von Außen (auf die Körperoberfläche) aufnehmen. Zu den Exterozeptoren gehören u.a. die Thermorezeptoren und Mechanorezeptoren
  2. Die Enterozeptoren
    die uns Informationen aus dem Inneren des Körpers, bspw. den Organen, liefern. Sie bezeichnet man auch als Interozeptoren oder Viszerozeptoren. Hierzu zählt man die Schmerzrezeptoren, Dehnungsrezeptoren, Pressorezeptoren und Chemorezeptoren.
  3. Die Propriozeptoren
    die uns Informationen über die Muskellänge, Sehnendehnung, Gelenkstellungen sowie Lage und Bewegung unseres Körpers liefern. Daher wird das Gleichgewichtsorgan des Körpers ebenfalls den Propriozeptoren zugeordnet.

Seit das Dehnen in der Funktionellen Gymnastik stärker hinterfragt wird, erfährt die Propriozeption starke Nachfrage. So zeigt sich, dass die bisher angenommenen Wirkungen des Dehnens nicht oder nur teilweise erfüllt werden.

Gerade im Kinderturnen kann Propriozeptives Training im Gegensatz zu Dehnübungen, die sich bei Kinder eh keiner großen Beliebtheit erfreuen, viel sinnvoller eingesetzt werden und wird nach und nach das Dehnen gänzlich ablösen.

Was aber ist Propriozeptives Training?

Es geht vornehmlich um Übungen auf instabilen Untergründen, also etwa dem Aero-Step, auf Balancetrainern wie dem Balance-Disc, , dem Sitzball, auf Luftkissen (DYNAIR), Balancebretter, Therapiekreiseln, Wackelmatten, Flizzies, Stelzen, dem Trampolin uvm.

Hier wird zunächst einfach begonnen, wenn sich jedoch das Nervensystem an bestimmte Übungen gewöhnt hat, ist es sinnvoll, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, d.h. den Bewegungsablauf bzw. das Bewegungsmuster zu stören. Dies geschieht etwa durch die Reduzierung der Auflagefläche (eines Körperteils, des Körpers als ganzem oder eines Gerätes) sowie durch Hinzufügen von weiteren koordinativen Aufgaben wie bspw. Balancieren und Jonglieren, Balancieren und Werfen oder Hüpfen mit Störungen von außen.

Die Trainierbarkeit der Propriozeptoren ist noch weitgehend unerforscht - nur die Funktionsweise und Anpassungen unseres Nervensystems sind bekannt. Als Anpassungserscheinungen findet man daher

  • eine verbesserte Vernetzung und Kontakte bestimmter Gehirnareale;
  • eine verbesserte Leitfähigkeit der Nerven durch eine "wachsende" Myelinschicht (Isolierschicht der Nerven, die jene Nervenfortsätze, die zur Weiterleitung der Nervenimpulse dienen, spiralförmig umgibt);
  • eine Erhöhung der Fläche des synaptischen Kontaktes sowie;
  • die Arbeitsteilung von Synapsen, indem wenig benutzte Synapsen viel benutze Synapsen unterstützen.
    (Synapsen sind Kontaktstellen zwischen Nervenzellen bzw. Nervenzellen und anderen Zellen)

Als Ziel lässt sich formulieren: durch Propriozeptives Training gelangt unser Körper in die Lage, kompetenter und besser zu reagieren.

Welche Analysatoren sind zu einer solchen Steuerung nötig?

  1. statico-dynamischer Analysator (Vestibularapparat im Innenohr),
    der die richtige Raumlage des Körpers sowie Richtungs- und Beschleunigungsveränderungen des Kopfes feststellt;
  2. kinästhetischer Analysator,
    d.h. Rezeptoren der Muskelspindeln, Sehnen, Bänder und Gelenke, die Auskunft über das Raum-/ Zeit-/ Spannungsverhältnis des Körpers geben, welches wichtig für die Kontrolle der Eigenbewegung, die Entwicklung einer Bewegungsvorstellung sowie eines Bewegungsgedächtnisses sind;
  3. optischer Analysator (Rezeptor Auge),
    der einen wichtigen Beitrag zur Gleichgewichtsregulation leistet, den Bewegungsvollzug sichert und Auskunft über Eigen- und Fremdbewegung gibt;
  4. taktiler Analysator (Rezeptoren auf der Körperoberfläche, also der Haut),
    die den Bewegungsvollzug sichern und Auskunft über Eigen- und Fremdbewegung geben;
  5. akustischer Analysator (Ohr),
    der nach manchen Autoren eine untergeordnete Rolle spiel, aber wesentliche Auskünfte über Eigen- und Fremdbewegung gibt, was jeder weiß, der einmal ohne zu hören Ski gefahren ist.

 

Was ist methodisch zu beachten?

•  dass das Propriozeptive Training am Anfang einer Stunde stehen sollte, solange das ZNS ausgeruht ist, denn nur dann kann die Koordination verbessert werden;

•  neue Übungen und Bewegungsmuster zunächst auf stabilem Untergrund erlernt (geübt) werden, bevor auf labilem oder instabilem Untergrund gearbeitet (trainiert/verbessert) werden soll;

•  dass der Reiz für die Verbesserung der Koordination umso besser ist, je kleiner die Unterstützungsfläche ist und je häufiger die Gleichgewichtsschulung erfolgt (nicht wie lange, sondern wie häufig!);

•  dass ein Wechsel zwischen stabiler und labiler Unterlage besonders wirksam ist;

•  dass die Übungen umso schwerer sind, je mehr Analysatoren ausgeschaltet werden (Augen schließen, Fremdgeräusche, etc.)

•  dass die Übungen einem individuellen Leistungsstand anzupassen sind.

Als Konsequenz kann abgeleitet werden: das Propriozeptive Training

•  bekommt zunehmenden Charakter im Aufwärmprogramm und löst zumindest im Kinderturnen die bislang unbeliebten Dehnübungen ab;

•  sollte Eingang in jede Stunde (und hier zu Stundenbeginn) finden.

Friction Training

Friction Trainings ist eine Trainingsmethode, die auf der Reibung (friction) basiert. Beim Training mit dem Flowin entsteht zwischen der Matte und den Händen/Knien/Füßen Reibung, wodurch ein neuartiges und sehr effektives Training möglivh ist. Eine große Anzahl an Übungen sprechen beim Friction Training meist mehrere Muskelgruppen gleichzeitig an. Das Trainingmit dem Flowin ermöglicht dabei sich ständig wechselnde Stützpunkte wie Knie, Ellbogen, Füße und Hände.

Trainingseffekte des Flowin Trainings sind:

  • Training der Stabilität
  • Haltungsschulung
  • Koordinationsschulung
  • Gleichgewichtsschulung
  • Beweglichkeitsschulung

Damit ist ein direkter Zusammenhang mit dem Propriozeptiven Training gegeben.

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  • Sensomotorik [mehr]

 

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