Sportwissen aktuell: Rückenschule, Rückentraining, Rückenschmerz

 

 

 

Rückenschule

Der Rücken des Menschen scheint in vielerlei Hinsicht eine Schwachstelle zu sein, egal von welcher Seite es auch immer betrachtet wird. In den Arztpraxen häuft sich die Anzahl der Patienten, die unter Rückenschmerzen leiden, eine Tendenz, die sich u. a. in den Statistiken der Ursachen für Krankheitstage wiederspiegelt. Neben den Verhaltenskritikern, die dem Menschen belegen, sich nicht artgerecht zu verhalten. Zurückzuführen sei dies auf die Zwänge unserer Zivilisation - etwa unphysiologische Verhaltensweisen und Verhältnisse im Beruf, im Straßenverkehr, im Sport oder in der Freizeit sowie andere Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle.

Erkenntnisse und Erfahrungen der letzten Jahre haben belegt, dass es zu spät ist die Rückenproblematik anzugehen wenn manifeste Beschwerden oder Schäden bereits vorliegen. Es gilt, diesen Beschwerden (und Schäden) im Vorfeld Einhalt zu gebieten, also sinnvolle präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Die Idee der Rückenschule wurde in der Vergangenheit stetig weiterentwickelt. Lag vor einigen Jahren das Hauptaugenmerk auf der Durchführung gymnastischer Übungen im Sinne der Kräftigung zur Abschwächung neigender Muskeln bzw. der Dehnung zur Verkürzung neigender Muskeln, so haben sich in jüngster Zeit neue Inhalte etabliert, die eine ganz neue Sichtweise in die Arbeit in der Rückenschule bringen.

Neben den klassischen Funktionsbereichen: Alltag, Beruf und Freizeit (Sport), übernimmt v.a. die Sensomotorik in jüngster Zeit eine immer wichtigere Rolle und drängt via des Balancetrainings die Funktionelle Gymnastik immer weiter aus dem Hauptblickfeld.

Die bekannten Funktionsbereiche des Alltags sind weiterhin: Bücken/Heben/Tragen, Sitzen, Liegen, Stehen, Laufen und Gehen, die noch immer als die zentralen Bestandteile gelten; Wobei das Sitzen meist einen engen Bezug zum Berufsleben der Teilnehmer/innen aufweist. Daneben gibt es spezielle Gruppierungen, deren Arbeitsplätze andere Eigenarten aufweisen, so dass die spezielle Rückenschule für Berufsgruppen immer größeren Anklang findet und Rückenschullehrer häufig bei Firmen mit ergonomische Beratungen einen Einstieg in ein betriebliches Rückenschulkonzept finden.

Doch auch im Auto kann das Sitzen erhebliche Probleme bereiten. Ausgleichsübungen bei Pausen helfen hierbei ebenso wie Sitzkissen, die speziell für das Autofahren hergestellt werden. Das AIRGO Aktivkissen ist eine solche Sitzhilfe, die bereits vielen Menschen Linderung geschaffen hat. Wer dagegen mit dem Nacken Probleme hat, sollte sich überlegen, ob er nicht eine Therapie Halswirbelsäule in Anspruch nimmt.

Sportler sind in ihren Sportarten teilweise ebenfalls hohen Belastungen im Bereich des Rückens und der Wirbelsäule ausgesetzt - man denke nur an die einseitigen Belastungen von Tennisspielern oder Speerwerfern. Daher spielt die Rückenschule in den verschiedenen Sportarten eine nicht zu vernachlässigende Rolle - der Forschungsstand fällt hierzu leider mager aus.

Die Zielgruppen der Rückenschule sind so vielfältig wie die Menschen selbst: so kann bereits mit Kindern auf spielerische Weise ein rückenbewusstes Verhalten erlernt werden. Bis hin zu den Senioren finden wir alle Altersgruppen wieder.

Primär sollte liegen und liegt die Aufgabe der Rückenschule im präventiven Bereich, um Beschwerden und Schäden erst gar nicht auftreten zu lassen. Erwachsene - und hier tun sich v.a. die Männer hervor - neigen jedoch dazu, erst dann aktiv zu werden, wenn bereits Beschwerden aufgetreten sind und der Arzt eine unmissverständliche Empfehlung ausspricht.

Personen, die bereits dem rehabilitativen Sektor zugeschrieben worden sind, sind keine primäre Zielgruppe der Rückenschule. Doch ist es kaum möglich, eben diesen Personen eine Teilnahme am Rückenschulkurs zu verweigern, so dass Rückenschullehrer in der Lage sein müssen, diesen Personen ein differenziertes Angebot zu unterbreiten.

Die Ziele der Rückenschule werden in langfristige und kurzfristige Ziele unterschieden. So haben Personen, die bereits Beschwerden haben, das primäre Ziel, ihre Schmerzen loszuwerden. Unter die kurzfristigen Ziele fällt aber auch der soziale Aspekt, da viele Personen eben solche Kurse besuchen, um Anschluss zu finden.

Die langfristigen Ziele der Rückenschule können auf 4 Ebene beschrieben werden: soziale, kognitive, affektiv-emotionale und motorisch-psychomotorische Ziele. Es soll versucht werden, über das Gruppenerlebnis und Möglichkeiten zur Kommunikation der soziale Aspekt zu berücksichtigen. Die Informationseinheiten (siehe "Aufbau der Kursstunden") sollen ein Verständnis bzw. Hintergrundwissen zur Rückenproblematik erzeugen, über Entspannung und Spiele wird der emotionale Bereich der Teilnehmer/innen angesprochen und über das Verhaltenstraining werden motorische Abläufe optimiert.

Auch der Aufbau der Kursstunden in derRückenschule hat sich weiterentwickelt - früher wurde zuerst aufgewärmt, dann mit Verhaltenstraining und Funktioneller Gymnastik der Hauptteil gestaltet und zum Ausklang entspannt. Heutzutage zeichnet sich eine gute Rückenschulstunde daran aus, dass sie noch weitere Inhalte berücksichtigt.: der vorbereitende Teil der Stunde nimmt Bezug auf eine gestellte "Hausaufgabe", bevor mit dem Aufwärmen begonnen wird. Dann erfolgt eine kurze theoretische Information zum Stundenthema (3-4 Minuten), auf die das anschließende Verhaltenstraining im Hauptteil aufbaut. Meist erfolgt eine weitere Kurzinformation zum Stundenthema, wo es entweder um das Verhalten oder um die Verhältnisse der Teilnehmer geht. Der zweite praktische Block des Hauptteils beinhaltet wahlweise Verhaltenstraining, Funktionelle Gymnastik oder Propriozeptives Training, bevor der Ausklang zunächst mit Entspannung beginnt und über ein zusammenfassendes Abschlussgespräch auch Aufgaben an die Teilnehmer vergeben werden.

weitere Themen zur Rückenschule:

  • Anatomische Grundlagen [mehr]
  • Bücken-Heben-Tragen [mehr]
  • Büroarbeitsplatz [mehr]
  • Ausgleichsübungen am Büroarbeitsplatz [mehr]
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  • Rückenschule im Kinderturnen [mehr]
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